Das Fender Rhodes E-Piano

Für Einsteiger und Anfänger (unter 500€ )

Definiert man „elektrisch“ als rein analog, so ist das Fender Rhodes zweifelsohne das bedeutendste und meiste gespielte elektrische Piano. Sein Klang war und ist nicht nur stilprägend für diverse musikalische Richtungen (Jazz, Funk, Soul und Fusion), sondern bildet für diese teils sogar einen signature sound – einen charakteristischen Klang also, welcher für ein gesamtes Musikgenre steht (vergleichbar mit der verzerrten E-Gitarre in Rockmusik).

Die hohe Nachfrage auf dem Gebrauchtinstrumentenmarkt, zahlreiche digitale Nachbildung (Multi-Sampling oder Physical-Modelling-basierend) und nicht zuletzt die Wiederaufnahme des Verkaufs von Rhodes E-Pianos zeigt:
Das Interesse des Instrumentes ist enorm, eine deskriptive Analyse seines Klanges als auch seine Historie scheint von großer Bedeutung zu sein. So wird hier zunächst die Geschichte des elektroakustischen Instruments beschrieben und dann dessen akustische Klangerzeugung erläutert. Hiernach wird versucht eine Erklärung für den Rhodes-Sound und dessen Bedeutung für die Jazz- und Popularmusik zu geben.

Klangerzeugung mit dem E-Piano

Durch das Anschlagen eines an einer Seite eingespannten schwingenden Stabes entsteht Körperschall. Vor allem werden hierbei transversale Biegewellen erzeugt, welche für
eine Tonabnehme von großem Vorteil sind, da sich hierbei keine destruktiven Interferenzen bilden können.
Das oben genannte System eines eingespannten Metallschwingers diente nur zur Verständnis eines eben solchen Systems. In den Rhodes Pianos kommen jedoch komplexere Schwingungssysteme zum Einsatz: Sogenannte asymmetrische Stimmgabeln. Hierbei wird die Tine durch eine Hammermechanik angeschlagen und die Tonebar passiv zum Mitschwingen angeregt. Die Tonabnahme erfolgt dann über eben jene Tine, welche den magnetischen Fluss eines Permanentmagneten variiert und somit die Induktion einer Spannung innerhalb von Drahtwickelungen (Spulen) ermöglicht. Dies wurde vollführt um diverse akustisch nicht gewollte Phänomene zu unterdrücken.
Durch mechanische Ausbuchtungen lassen sich die Längen Stäbe für Tiefe Frequenzen enorm Verkürzen — das Material wird so „schwingungsfähiger“ gemacht.

Geschichte des E-Pianos

Die Geschichte des Fender Rhodes lässt sich nicht von seinem Erfinder und Namensgeber Harald B. Rhodes trennen. Bei diesem handelt es sich um einen durchaus begabten Pianisten, welcher die „großen Jazzpianisten“ seiner Zeit als Vorbild hatte. Sein oberstes Anliegen war jedoch nicht die Erfindung eines Instrumentes, sondern die Klavierpädagogik – auch in diesem Bereich konnte er große Bedeutung erlangen. An dieser Tätigkeit hielt er auch in seinem Dienst für die US Army (nach deren Eintritt in den Zweiten Weltkrieg) fest – so wurde ein Musiktherapieprogramm von ihm gestaltet und durchgeführt.
Aufgrund der Bettlägerigkeit vieler Soldaten plante Rhodes ein „laptop piano“ welches auch liegend im Bett gespielt werden sollte. (Quelle: Davies, Hugh: The New Grove Dictionary of Musical Instruments, London: Macmillan, 1984. S. 245.) Für seinen ersten Prototypen benutzte Rhodes scrap parts, Ersatzteile des Luftwaffenstützpunktes. Kleine Hydraulikleitungen aus Aluminium (eigentlich für B-17-Bombenflugzeuge konzipiert) erschienen ihm, sofern ein wenig modifiziert, als taugliche Klangerzeuger. 1942 konstruierte Rhodes so das Army Corps Piano, ein rein akustisches Instrument mit einem Tonumfang von zweieinhalb Oktaven. Nach 1945 folgten zahlreiche
armeeunabhängige Weiterentwicklungen an seinen „portablen Piano“, sodass es am 14.12.1959 zum Gründungsvertrag der Fender Rhodes Inc. kommen konnte – wie der Name dieser bereits verrät, war die eigentlich dem Gitarrenmarkt entstammende Firma Fender also Kapitalgeber und Unterstützer von Rhodes. Nun konnte eine professionelle Serienfertigung anlaufen, jedoch belief sich dies zunächst nur auf den Piano Bass. Ende 1964 übernahm die Columbia Broadcasting System (CBS) Fender und damit Fender Rhodes – es kam nun zur Massenanfertigung der Silver-Top-Modelle (1965 – 1969), des Fender Rhodes Mark I (1969 – 1975), des Rhodes Mark I (1975 – 1979), zu Ehren von H. Rhodes nun ohne Fender im Namen (Quelle: Vail, Mark: Vintage Synthesizers. Pioneering Designers, Groundbreaking Instruments, Collecting Tips, Mutants of
Technology, 2., erw. Aufl. San Francisco: Miller Free-man Books, 2000.) und des Rhodes Mark II (1979 – 1985).
Zu Beginn der achtziger Jahre sank das Interesse an einem elektroakustischen Instrument auf Grund neuerer Entwicklungen (Synthesizer, Sampler usw.). Zwar kam es noch zum Verkauf des Rhodes Mark V, nachdem die Lagerbestände dieser Modelle aufgebraucht waren kam es aber zu keiner Neuproduktion des charakteristischen Instruments – vielmehr wurde der Name Rhodes zur Marke (vor allem durch den Verkauf von Rhodes an die japanische Roland Corporation), welche sich von seinem eigentlichen Instrument gelöst hatte.
1997 kaufte H. Rhodes die Rechte an seinem Namen zurück, ein neues E-Piano konnte er jedoch auf Grund seines fortgeschrittenen Alters nicht realisieren. Am 17.12.2000 verstarb Harald B. Rhodes in Los Angeles. Unter Joseph A. Brandstetter, welcher nun die Rechte am Namen Rhodes erhielt, kommt es ab 2007 zur Produktion des Rhodes Mark VII. Wenig später gab es dieses auch käuflich zu erwerben, also pünktlich zum fünfzigjährigen Jubiläum der Fender-Rhodes Inc..

Der Fender Rhodes Klang

Der Klang des elektroakustischen Instruments wird meist mit Adjektiven wie warm und glockig, oder auch hell und metallisch charakterisiert. Von seiner Tonfärbung lässt es sich zudem mit dem Celesta, dessen Tonerzeugung über Stahlplatten und Hammermechanik geschieht, vergleichen.
Da das E-Piano über keinerlei Resonanzkörper für eine akustische Verstärkung verfügt, muss es elektrisch verstärkt werden. Hierbei ergeben sich wiederrum Möglichkeiten einen individuellen Sound zu kreieren – sei es durch die Wahl des Verstärkers oder durch die Einschleifung verschiedenster Effektpedale (Phaser, Wah-Wah, Flanger). Es lassen sich hier durchaus Parallelen zur E-Gitarre ziehen, so werden die als warm bezeichneten Verzerrungen eines Röhrenverstärkers ebenso provoziert und als weiteres ästhetisches Stilmittel zur Formung eines vollen Gesamtklangs genutzt. Im Gegensatz zur E-Gitarre wird mit diesen Verzerrungen jedoch meist sparsam umgegangen.
Unter anderem durch jene klanglichen Möglichkeiten, wurde das Rhodes vor allem im Ende der sechziger Jahre aufkommendem Electric Jazz stilprägend – als eine antreibende Kraft ist hierbei sicherlich Miles Davis zu nennen, welcher sich von Rock Gitarristen wie Jimmy Hendrix inspirieren ließ. In Alben wie Miles in the Sky(1968), In A Silent Way(1969) oder Bitches Brew(1970), Pianisten respektive Keyboardern wie Herbie Hancock, Joe Zawinul und Chick Corea und einem experimentellen Geist (bis zu drei gleichzeitig erklingende E-Pianos auf Bitches Brew) wurde ein ganz eigener Stil geformt.
In aktuellen Pop Produktionen ist das Rhodes vermehrt zu hören – es lässt sich gar von einer Renaissance des Rhodes sprechen, digitale Emulationen werden immer realistischer (z.B. Elektrik Piano von Native Instruments oder Lounge Lizard von AAS). Ein Abklang des Interesses an Originalinstrumenten ist in Hinblick auf deren Klang und natürlichem Anschlagverhalten jedoch nicht zu erwarten.
Vor allem unter professionellen Jazz-Musikern ist die Skepsis gegenüber den digitalen Nachbildern nach wie vor groß, sodass man diese hier kaum auf Bühnen finden kann.

Musik ist zum Hören da und nicht um darüber zu reden — deshalb mal hier das Lieblingslied der Redaktion mit dem typisch warmen Rhodes Klang:

Zum Abschluss noch das wohl coolste Lied das jemals auf einem Rhodes gespielt wurde — Red Baron von Billy Cobham mit Jan Hammer an den Keys:

Quellen:

Magisterarbeit von Torsten Wendland